Liljana Dirjan

 

 

aus: Schwere Seide,

 

 

Corvinus Presse

 

 

 

  Viel schminke

 

 

  pastellfarben

 

 

  entblößte schultern

 

 

  raffiniert sexy

 

 

  gehüllt in eine wahre explosion

 

 

  blitzen und blinken

 

 

  (Versace - Instante)

 

 

  eindrucksvolle weiblichkeit

 

 

  (Dolce & Gabbana)

 

 

  betonte silhouette

 

 

  kollektionen für die elegante dame

 

 

  heißer trend

 

 

  betörender duft

 

 

  (Eden, Tresor, Dolce Vita)

 

 

  frauen, ahmt den frühling nach

 

 

  (steht über zwei seiten fett)

 

 

  lesen, blättern, atmen, seufzen

 

 

  dann kommt reklame für den sieg über die

 

 

  zellulitis

 

 

  saft- und gemüsediät

 

 

  ratschläge vom arzt

 

 

  (nehmen sie mehr vitamin E zu sich

 

 

  dann bleiben sie ewig jung

 

 

  cremen sie sich mit schildkrötenfett)

 

 

  

 

 

  auf den leim gehen

 

 

 

 

 

  durch die glatte welt streifen

 

 

  Galapagos, inseln

 

 

  ach, wie schön ist dort alles

 

 

  und dann dunktelt es vor den fenstern

 

 

  und mit bloßen füßen

 

 

  berührt sie leicht die treppe nach unten

 

 

  zieht den kopf in den ockergoldenen panzer

 

 

  streckt die vorderbeine

 

 

  und taucht

 

 

  in einen fischteich voller melancholie

Uve Schmidt

 

 

- bei lieferbare Bücher

 

 

  Ich

glaube an Gott,

 

 

  den

Spender aller Samen,

 

 

  den

Schöpfer aller Formen

 

 

  den

Geber aller Grundsätze.

 

 

  Ich

glaube an Gott,

 

 

  das

Weltkraftwerk,

 

 

  die

Lebenssinnstiftung

 

 

  den

Himmelsmachthaber.

 

 

  Ich

glaube an ihn

 

 

  als

allmächtigen, allwissenden,

 

 

 

alles-imAuge-behaltenden Max

 

 

 

solange ER an MICH glaubt ...

 

Heinrich Ost

 

- bei Neuerscheinungen

 In Trümmern Spiegelglas

 

 

 

   

 

 

 Mißverstanden

 

 

 das Zeichen vom Schiff

 

 

 und ausgestanden

 

 

 die Angst um die Ankunft.

 

 

 So gut stehen die Sterne,

 

 

 daß ich einen Sack Murmeln

 

 

 hinter mich werfe.

 

 

 Staubzentral fallen

 

 

 Wolfsrudel durchs Tor.

 

 

 Wirst nicht durchkommen

 

 

 mit deinem Willen.

 

 

 Die Glockendichte

 

 

 im Land nimmt ab,

   

 aber die Sehnsucht

   

 nach dem Klang wächst.

   

 Nimm deine Kraft,

   

 falte ein Papierboot,

   

 und los geht's über die Heide.

   

 Und achte auf die Zeichen

   

 die deine Atemzüge unterbrechen,

   

 und merke, was die Uhr

   

 schlägt.

     

 

 Gerold Effert

 

 

- bei lieferbare Bücher

 

 

 

 

 

 

 

 

 Im Dunst die späte

 

 

 Sonne, sie steckt

 

 

 auf den Spießen des Schilfs;

 

 

 zitternd im Schlammgrund

 

 

 versickert das Blut.

 

 

 

 

 

 Übers verseuchte Wasser

 

 

 gleitet vergeblich

 

 

 der Kahn: kein Aal

 

 

 in den Reusen

 

 

 bloß tropfende Leere.

 

 

 

 

 

 Vergraben das goldene

 

 

 Schimmern von damals

 

 

 im Schlick, und längst sind

 

 

 verflüchtigt alle Gerüche von

 

 

 Weite und Salz. Nur Fäulnis

 

 

 brütet. Es stockt der

 

 

 Fahrtwind kühnerer Jahre.

 

Emil Julis

 

 

- bei lieferbare Bücher

 

 

 

 

 

 

 

 Was ich machte und was daraus wurde

 

 

 

 

 

 Ich verbarg mich in das Pflanzenreich,

 

 

 hörte aber nicht auf Grashalm zu sein;

 

 

 zog mich zurück in eine Höhle,

 

 

 die aber ist offen zur Welt;

 

 

 schwamm gegen des Flusses Strömung zur Quelle

 

 

 mündete aber mit ihm im Meer;

 

 

 stellte mich auf den Nabel der Erde,

 

 

 wurde aber nicht ihre Mitte.

 

 

 

 

 

 Ich verbarg mich in die Grashalme,

 

 

 hörte aber nicht auf Pflanzenreich zu sein;

 

 

 zog mich zurück in die weite Welt,

 

 

 die aber ist verschlossen in einer Höhle;

 

 

 schwamm in des Flusses Strömung zum Meer,

 

 

 mündete aber mit ihm in der Quelle;

 

 

 stellte mich in die Mitte der Erde,

 

 

 wurde aber nicht ihr Nabel.

 

Ute Eckenfelder

 

 

- bei lieferbare Bücher

 

 

 

 

 

 

 

 mein Narr, verstolpert

 

 

 mit einem Fuß wie aus der Welt,

 

 

 verfängt er mit dem andern sich

 

 

 im Wort als fürchte er,

 

 

 es könne heimtückisch irgendwann

 

 

 und gottverlassen - soll ich

 

 

 versintern sagen, unterirdisch

 

 

 vertröpfeln in Höhlen?

 

 

 Ohne Zugriff in geologische Sprachlabore

 

 

 gebe es manches Celangedicht nicht

 

 

 und ohne Verwerfungen des schwäbischen Jura

 

 

 mich nicht und den jungen

 

 

 versinterten Fluß, der nach Revoluzzersprüngen

 

 

 In Hymnen sich verströmte. - Oder?

 

 

 

 

 

 Dem Grenzfluß, seinem angeschwemmten Land,

 

 

 das kam und ging, die Schuhe wechselnd,

 

 

 traut man von keiner Uferseite,

 

 

 auch wenn die Wachposten verzogen

 

 

 und weitere Schritte unter Naturschutz stehen.

 

 

 Aber Natur? - fragst du - Ist wo die Eule.

 

Wienke Treblin

 

 

aus dem Buch ,,ungezogen"

 

 

- bei lieferbare Bücher

 

 

 

 

 

 Auf der Suche nach Gestern findet das Heute

 

 

 oft nur am Rande statt.

 

 

 Der Morgen wartet im Norden

 

 

 gegen den Regenbogen gelehnt.

 

 

 Warum die alte Leier ständig im Kreise lauert

 

 

 weiß keiner.

 

 

 Aber große Verwirrungen klopfen laut und leise

 

 

 auf meine Schulter.

 

 

 Ich drehe mich langsam auf

 

 

 die aufgehende Seite meiner Musikinstrumente.

 

 

 Der Schlussakkord klingt nach mehr Sehnsucht

 

 

 als man hören kann.

 

 

 Weg damit!

 

 

 Lachfältchen kitzeln dich an der Oberfläche.

 

 

 Ruhig glückt mein Lotterleben.

 

 aus: Christiane Grosz

 

 

 Mit der Katze am Fenster

 

 

 -bei lieferbare Bücher

 

 

 Katzenliteratur ist ihr ein Begriff.

 

 

 Gleich nach Grenzöffnung suchte sie

 

 

 die esoterischen Teestuben auf

 

 

 kaufte wenig

 

 

 aber hörte gern die Vogelstimmen

 

 

 mit Kopfhörern, um sich in die Stimmung

 

 

 einer Kontemplativen zu versetzen.

 

 

 Auf einer Pelztrommel saß sie ohne zu stören

 

 

 trank grünen Tee, nachdem sie gehört hatte

 

 

 daß er Körper und Geist beflügelt.

 

 

 

 

 

 Langmütig wartete sie auf ihre Beflügelung

 

 

 um den Vögeln

 

 

 nicht nur seelisch nah sein zu können.