Victor Otto Stomps wurde 1897 in Krefeld als Sohn von Elisabeth Stomps und Otto Stomps geboren.

Der Vater ist Rechtsanwalt und 1. Beigeordneter der Stadt Krefeld.

Die Eltern zogen 1899 nach Berlin, der Vater war Syndikus der Deutschen Bank.

Nach Volksschulbesuch und Abitur auf dem  Joachimsthaler Gymnasium wird Stomps 1915 Kriegsfreiwilliger.

1919 beginnt er in Berlin Jura zu studieren, wechselt aber nach 2 Semestern zur Germanistik und Psychologie.

Das erste eigene Buch des Schriftstellers Stomps erscheint 1920 unter dem Titel "Ein Festtag".

923-1924 absolviert Stomps gemeinsam mit H.O. Wuttig eine Lehre bei der Deutschen Bank

und arbeitet danach noch ein Jahr dort.

Die erste Veröffentlichung der Rabenpresse war die Zeitschrift 

"Der Fischzug", Monatsblätter zur Förderung werdender Literatur.

1932 beginnt die Buchproduktion im größeren Stil.

Stomps veranstaltet seit 1931 Lesungen seiner Autoren.

Diese Veranstaltungen fanden in der von Stomps vom Roten Kreuz gemieteten  

"Humboldtvilla" in der Fasanenstraße 23 statt, dem heutigen "Literaturhaus Berlin".

In das Jahr 1932 fällt auch der Beginn der zweiten Literaturzeitschrift  "Der weiße Rabe",  sie erscheint bis 1934 in zehn Heften,

darin Texte von:

P. Huchel, G. Eich, O. Schaefer, W. Lehmann, G. Kolmar, H. Kasack und P. Zech.

1934 erscheint der Gedichtband  Preussische Wappen von Gertrud Kolmar.

Als Folge dieser Veröffentlichung kommt die Rabenpresse auf eine Liste der unerwünschten Verlage.

Aber es erscheinen weiterhin Bücher von nun Verfehmten.

So das Buch "Scheingehacktes" mit 3 Zeichnungen von Hannah Höch.

Die Texte stammen von ihrer damaligen Lebensgefährtin, der Autorin Til Brugmann.

Die Anthologie  "Neue spanische Dichtung", herausgegeben 1936 von Roy Hewin Winstone und Hans Gebser,

dessen Weg Ende 1931 nach Madrid führte, zeugt von den Freundschaften und Bekanntschaften Gebsers,

mit den in diesem Buch versammelten Autoren:

Rafael Alberti, Vicente Aleixandre, Manuel Altolaguirre, Luis Cernuda, Jorge Guillén, Emilio Prados sowie

Pedro Salinas und natürlich Federico Garcia Lorca.

Das Poetische Taschenheft 1936 gibt einen Überblick über den nun zehn Jahre alten Verlag und seine Autoren

mit einem Vorwort von Walter G, Oschilewski.

Stomps mietet einen Saal mit Bühne, dort findet die Veranstaltung

"Lebendiger Lyrik-Almanach Zehn Jahre Rabenpresse"  statt.

Es lesen 14 Autoren selbst, und es werden acht rezitiert.

Gleichzeitig organisiert Erich Büttner eine Ausstellung von Portraits (Mombert, Zech, Hermann-Neisse u.a.).

Im Völkischen Beobachter wird das sehr negativ aufgenommen.

Dadurch werden die Nationalsozialisten erneut auf Stomps aufmerksam.

Stomps zieht nun in eine Wohnung am Märkischen Ufer 20, die Lesungen finden dort nun im privaten Kreis statt.

Durch den Buchhandelsboykott fehlen Einnahmen. AuchAuftragsdrucke können dies nicht auffangen.

Tagebuch Loerke: ,,6. (Mai 1937) Himmelfahrt":

Besuch Stomps: sein Verlag "Die Rabenpresse" pleite."

Stomps verkauft am 1. Mai 1937 den Verlag an Dr. Ernst Winkler.

Die Rabenpresse ist Stomps los, die Liebe zum Büchermachen nicht.

Bis 1943 stellt Stomps  noch 12 Bücher in kleineren Auflagen her, so 1938 von Oskar Loerke  "Der Steinpfad" als Privatdruck.

1939 heiratet Stomps in Berlin

1941 wird sein Sohn Hans Goswin Stomps geboren.

Seit Kriegsbeginn ist Stomps Soldat, zuletzt Oberstleutnant und Regimentskommandeur.

Stomps überlebt den Krieg und in der Kriegsgefangenschaft macht er schon wieder Bücher.

1949 gründet er in Frankfurt am Main die Eremiten Presse, mit der er Mitte 1954 nach Stierstadt im Taunus umzieht.

Bis zu seinem Ausstieg 1967 veröffentlicht er dort über 240 Bücher.

Die "Neue Rabenpresse" führt Stomps von 1967 bis zu seinem Tod 1970 noch einmal in Berlin.

Es gibt in Berlin keine Stomps-Straße

(zwischen Stallschreiberstraße und Moritzplatz ist noch eine große unbebaute Brache aus Zeiten der hier verlaufenden Mauer),

keine Stomps-Gedenktafel

(das Wohnhaus am Märkischen Ufer gibt es noch),

keine Stomps-Dauerausstellung

(Bibliotheken gibt es genug).

Er würde es nicht wollen, aber freuen würde es ihn doch.

 

  Plakat von Ursula Eckertz-Popp